die Ereignisse der letzten Zeit lassen mich nicht unberührt, darum eröffne ich ein neues Kapitel
Heike Sauer hat was zu sagen......
18.3.2011
Fukushima reimt sich auf Hiroshima, reimt sich auf Klima und Prima
Prima war die Meldung vom Ausstieg aus dem Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomkraft für 3 Monate - 3 Wochen hätten eigentlich gereicht, dann sind die Wahlen vorbei…
Die neuesten Ereignisse und Ergebnisse in Japan setzen laut Merkel alles „in ein neues Licht“. Genau, jetzt gibt es auf einmal strahlende Argumente, ja Fakten, dass Kernkraftwerke lebensgefährlich sind. Das lag vorher natürlich alles im Dunkeln, und im Dunkeln ist gut Munkeln, da ist viel Panikmache dabei……und dass so was passiert, ja das konnte doch keiner ahnen….vor allem nicht nach Tschernobyl….Und der Atommüll war ja auch noch nie ein Problem, der kuckt sich weg. Schon immer. Aus den Augen aus dem Sinn. Gut, dass man radioaktive Strahlung nicht sehen kann……
Ich bin mir sicher, dass nichts sicher ist. Deswegen sind wir Deutschen auch Weltmeister im Versichern. Und Frau Merkel versichert uns: „Die deutschen Kernkraftwerke sind sicher!" Den gleichen Satz hab ich schon mal von Herrn Blüm über die Renten gehört. Ich frage mich, woher Frau Merkel die Sicherheit nimmt. Ist sie unfehlbar? Wie es der Papst für sich beansprucht? Sie hat schließlich das C im Parteinamen. Bei den alten Griechen nannte man das Hybris - Selbstüberschätzung.
Meine Generation ist mit „Abschalten“ groß geworden. Peter Lustig hat das wöchentlich nach seiner Sendung Löwenzahn gefordert. Aber das hat damals schon niemand gemacht. Hier war der Spaßfaktor übermächtig. Aber irgendwann hat der Spaß ein Loch. Und in Kernkraftwerken gibt es schon länger Sicherheitslöcher, überall. Aber als Industriestaat kann man anscheinend nicht auf Kernenergie verzichten. Hat Frau Merkel gesagt. Aber wenn dann irgendwann vor lauter strahlender Kernenergie keine Industrie bzw. Menschen mehr übrig sind, dann ist damit auch kein (Industrie-)Staat zu machen.
Um was geht’s eigentlich? Atomkraftwerke sind mit einer halben Million Euro Gewinn am Tag regelrechte Gelddruckmaschinen. Und wir kommen doch auch nur auf die Idee, Energie zu sparen, wenn wir Geld sparen wollen. Das Haben ist wichtiger als das Sein. Im deutschen Recht werden Eigentumsdelikte schon immer härter bestraft als Personendelikte. Welchen Wert hat denn der Schutz des Lebens noch? Am liebsten wird hierzulande noch über den Schutz des ungeborenen Lebens diskutiert.
Aber es kommt alles zu uns zurück. Beim Ausstieg aus dem Ausstieg von der Kernenergie sprach Merkel von einer „Revolution in der Energieversorgung“, und jetzt frisst die Revolution ihre Kinder. So war‘s in Frankreich damals auch. Vielleicht sind Revolutionen heute gar nicht mehr stimmig. Vielleicht geht’s gar nicht mehr darum mit aller Gewalt radikal zu revolutionieren, vielleicht greift heute eher der Gegenbegriff der Evolution. Vielleicht müssen wir sogar das Rad der Evolution zurückdrehen.“ Retour a la nature“, sagte schon Rousseau, und er behauptete auch, dass der Mensch seinem Wesen nach gut ist. Das glaube ich auch, aber ich glaube auch, dass der Mensch gleichzeitig zum Größenwahn neigt. „Macht euch die Erde Untertan!“ Das haben wir wohl ein bisschen falsch verstanden.
Deswegen drängt sich mir ein völlig aus der Mode gekommenes Wort auf: Demut. Demut unserer Erde gegenüber, Demut vor dem Großen Ganzen. Aber Demut verlangt Mut. Wie damals von Herrn Brandt bei seinem Kniefall. Es braucht Mut, neue Wege einzuschlagen, es braucht Mut, gemachte Fehler einzugestehen und es braucht Mut, die Möglichkeit ständiger Fehler zuzulassen. E s braucht auch den Mut, zu manchen Entwicklungen Nein zu sagen, den Mut, einen Schritt zurückzumachen, den Mut, nicht immer noch schneller höher und weiter zu wollen. Den Mut, etwas einfach sein zu lassen.
Der Frühling kommt, „vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, alles schmilzt und die Kerne in Fukushima hoffentlich nicht. Statt dessen hoffe ich auf eine Kernschmelze bei den Menschen. „Harte Schale, weicher Kern“ - und der kann ruhig ganz auftauen. Dann kann nämlich das Biokraftwerk Mensch auch ein enormes Energiepotenzial freisetzen und in alle Richtungen abstrahlen.
Das Unwort des vergangenen Jahres war Wutbürger. Ich wünsche mir für dieses Jahr viele Mutbürger, die etwas bewegen, weil sie in ihrem Innersten bewegt sind.
Und dann kommt der Frühling, der sowieso nicht aufzuhalten ist. Es ist bereits alles in Bewegung, Neues will wachsen und dafür muss Vieles vergehen. Ich wünsche uns alles alles Gute und viel Mut für die Zukunft!
Mit einem herzlichen Gruß
Heike Sauer
ist jetzt schon fast kalter Kaffee, aber vielleicht interessiert's doch noch jemand:
Von Gutenberg zu Guttenberg
Gutenberg hat den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern erfunden. Zu Guttenberg hat die Erfindung weitergeführt: er lügt wie gedruckt, mit beweglichen Ghostwritern. Aber bei zu Guttenberg ist alles ein bisschen zu viel und das fängt schon mit dem „zu“ an. Wobei das im Grunde für sich spricht wenn jemand „zu“ ist. Zu ist das Gegenteil von offen und da kann er noch so betonen, dass er ein „freier Herr“ ist. Oder ist er der Freiherr und wir das verdingte Volk?
Und zu viele Vornamen hat er auch: Karl Theodor Maria Nikolaus – Maria und Nikolaus. Da haben sie aber was durcheinandergebracht, weil das Paar heißt Maria und Josef. Jesus, den Heilsbringer haben sie auch vergessen. Aber das ist aristokratisches Understatement. Das andere Paar heißt Nikolaus und Ruprecht. Knecht Ruprecht. Hätte schon auch gepasst, so als Ex-Verteidigungsminister. Stattdessen heißt er noch Johann Jacob Philipp und Franz Joseph - der zweite, natürlich. Ein kleiner Kaiser sollte er schon werden mit Sissi an seiner Seite, die im Fortsetzungsfilm Steffi heißt…..und Sylvester heißt der Gute auch noch– das passt: Raketenaufstieg und dann in einer fantastischen Show Funken gesprüht, alle geblendet und dann vom Himmel gefallen – erst mal, weil der Phönix kommt ja bekanntlich aus der Asche.
Was im Vergleich zu Gutenberg bei Guttenberg auch zu viel ist, ist das zweite T. Wenn man ein T mit den Händen nachmacht, landet man bei der Geste für Time-Out, Spielunterbrechung. Beim Handball geht das aber gerade mal nur 1 Minute. Von daher würd ich sagen: „Karl Theodor Karl Theodor steht nicht mehr im Ministertor“…. aber heute ist nicht alle Tage, der kommt wieder, keine Frage…und Comebacks kommen bei den Leuten besonders gut an. Dann setzt der Franz-Josef-Strauß-Dampfwalzeneffekt ein.
Für mich ist der Guttenberg wegen seinem T zu viel quasi eine T-Aktie. Die verherrlichte Volksaktie, leider nur mit extremem Wertverlust. Der Wert- und vor allem Werteverlust bei Guttenberg kuckt sich aber weg, weil der schöne Schein so toll ist. Der Guttenberg hat so was Royales und Deutschland will wieder einen Kaiser. England hatte Charles und Diana, jetzt haben sie William und Kate, und sämtliche Neue Revue-, Echo der Frau-, und goldenes Blatt Leser wünschen sich nichts sehnlicher als diesen blauen Adlestouch of Glamour im eigenen Land. Schluss mit schwarz, rot, grün oder gelb. Die Staatsführung wäre dann endlich wieder blau und das Volk wäre es auch, weil eine Thronbesteigung endlich mal wieder ein echter Anlass zum Feiern wäre.
Und die repräsentative Facebook - Community will ihn wieder als Freund in die Politik hinzufügen. Da sag ich nur: „das gefällt mir nicht“ - sein Face – viel zu viel Gel. Aber anerkannter Weise ist er ein ganz Fescher, Junger, Dynamischer – der Traum aller Schwiegermütter und noch nicht mal 40 Jahre alt…… Der Schwabe wird ja mit 40 gescheit. Aber Guttenberg ist kein Schwabe. Dafür ist der Gutti - reimt sich übrigens auf Mutti - einfach toll. Gut – Guter – Guttenberg. „Der Gutti der Nation“ ist ein Guter, der ist so volksnah…..und das weiß man ja, dass der Adel in Deutschland mitten in deiner Nachbarschaft lebt und genau so mit dem Alltag kämpft wie du. Der Gutti ist einer von uns. Absolut. Darum war er auch in allen Talkshows zu Gast. Man müsste mal recherchieren, ob er Verbindung nach Hameln hat. Entsprechend seinem Vorgehen kann es eigentlich nur sein direkter Vorfahre gewesen sein, der sich damals als Experte zur Lösung der Rattenplage angeboten hat.
Ein mündiger deutscher Bürger hat bei einer Umfrage gesagt: „Der Guttenberg soll bleiben, die lügen doch eh alle, da ist doch so ein hingeschummelter Doktortitel, das ist doch ….n’Kavaliersdelikt……!“ Stimmt, das tut auch niemandem weh, außer den vielen Doktoranden, für die ist das ein Schlag ins Gesicht. Ich musste, um eine Logopädieausbildung machen zu dürfen, einen polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Wenn das nicht einwandfrei gewesen wäre, hätte ich die Ausbildung gar nicht machen dürfen. Und da gibt’s keine zweite Chance, das kuckt sich nicht weg…niemals…..aber das ist eben auch ein viel verantwortungsbewussterer Beruf als Politiker.
Bei Politikern muss man nachsichtig sein, weil bei denen sind das keine richtigen Lügen, das ist Strategie. Das Lügen hat Methode, aber das ist äußerst kompliziert und kann ich als normaler Mensch nicht verstehen. Grundsätzlich lügt jeder. Sogar mehrfach am Tag - haben Wissenschaftler rausgefunden. Aber Politiker haben es da besonders schwer, weil sie ihre Lügen nicht zugeben dürfen. Politiker müssen lernen, konsequent darüber hinweg zu schauen, um mit höchster Konzentration und mit Hilfe ihrer Scheuklappen in den 4-Jahres-Partei-Plan-Tunnel zu blicken. Das ist auch eine Form von Entschlossenheit. Und das imponiert. Da wird vermittelt: Es geht voran. Zwar erst mal in einen dunklen Tunnel, aber man kennt das ja mit dem Licht am Ende…..
Und zu jemandem, der einen so beschwerlichen Weg durchs Dunkel ins Licht auf sich nimmt, zu so jemandem schaut man gerne auf, vor allem, wenn er aussieht wie Karl Theodor …..unser Held. Ich aber sage euch: Fürchtet euch. Er geht, um zurückzukommen.
Und trotz allem lass ich mir den Glauben an das wirklich Gute nicht nehmen. Und Glaube versetzt Berge – auch Guttenberge.
Und jetzt: der Lauf meines Lebens.....bin gespannt wo's drauf hinausläuft....
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